Aktuell

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Sommermusik am Sonntag, 23.07., 18.00 Uhr in unserer Kirche im Dorf: das Emerald Duo aus Kalifornien mit „Juwelen der Kammermusik“ (Eintritt frei)
 
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Gottesdienst für kleine Leute am Samstag, 19.8., um 16 Uhr mit einer Taufe in unserer Kirche im Dorf. Eingeladen sind besonders Kinder im Kindergartenalter und ihre Eltern, Paten und Großeltern!
 
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Weltuntergangsstimmung - Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 21.07.17 von Pfarrer Hanno Nell.

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Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 21.07.2017 von Pfarrer Hanno Nell
 

Weltuntergangsstimmung

 
Wie ging es Ihnen bei dem Unwetter vorgestern? Ein Freund schrieb mir aus Bielefeld von Blitz, Donner, Hagel, Sturm und gigantischen Regenmassen: „Hier geht grad seit einer halben Stunde die Welt unter.“ Die Anhänger der sogenannten Bielefeld-Verschwörung, die mit mehr oder weniger Augenzwinkern behaupten, Bielefeld gebe es gar nicht, konnten nicht triumphieren – die Welt ging weder dort noch anderswo unter. Land unter gab es aber durchaus in unseren Breiten, und zwar so, dass manchen Angst und bange wurde.

„Hilf mir, Gott, das Wasser steht mir bis zum Hals“ heißt es sprichwörtlich im 69. Psalm (in der Übersetzung der Zürcher Bibel) sowie „die Flut reißt mich fort“. Auch abseits von Hochwassergebieten sind bei uns die „Wasserstandsmeldungen“ manchmal so, dass uns das Wasser bis Oberkante Unterlippe steht wie beim Beter des 69.Psalms, der schlimme Verfolgung erlebt. Dafür muss man nicht als Menschenrechts-Aktivist (mit oder ohne Folter) in einem türkischen Gefängnis sitzen. Auch durch eine schlimme Krankheit oder den Tod eines lieben Menschen kann man den Eindruck haben, dass einem die Welt untergeht. Dass man Halt braucht, weil alles ins Wanken gerät.

Wie der Beter des 69. Psalm können wir dann um Gottes Nähe und Schutz beten und hoffentlich erleben, dass unser Herz wieder auflebt (Psalm 69,33) – so dass andere sich womöglich Augen reiben und verwundert sagen: gibt’s doch gar nicht!




Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 17.06.2017 von Pfarrer Hanno Nell
 

Immer nur zu Deinem Ziel bergab

 
„Führe die Straße, die Du gehst, immer nur zu Deinem Ziel bergab“ heißt ein Wunsch in dem beliebten irischen Segenslied „Möge die Straße uns zusammenführen“. Bei dem Wort „bergab“ zögere ich beim Singen schon mal. Im deutschen Sprachgebrauch ist „bergauf“ positiv besetzt. „Geburtstag ist schön, bis man gros ist dann gets berkap“ bekam ich auf einer originellen Geburtstagskarte mit krakeliger Kinderschrift und teilweise reichlich verwischter Tinte zu lesen.

Ein schmerzhafter Niedergang kann ermöglichen, dass es richtig aufwärts geht, in der Wirtschaft hoffentlich mit nachhaltigen Maßstäben, so dass es Hoffnung gibt auf Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung! Abwärts kann aber auch alles andere als schmerzhaft sein: Der Segenswunsch „Führe die Straße, die Du gehst, immer nur zu Deinem Ziel bergab“ lässt uns demnächst in den Ferien zum Beispiel an einen schönen Weg hinunter zu einer Badebucht denken. Natürlich besteht das Leben nicht nur aus Urlaubszielen. Und wer von Gruiten aus an der Düssel entlang radelt in Richtung Neandertal und einen beschaulichen Weg flussabwärts erwartet hatte, freut sich über die Verschnaufpausen bergab nach heftigen Steigungen.

Der Segenswunsch will uns helfen, Dinge und uns selbst leicht zu nehmen. Damit wir unbeschwerter und wie auf einem Weg hinunter zu einer Badebucht unseren Lebensweg gehen. Genauer gesagt, nicht der der Segenswunsch, sondern Gott hilft uns, von dem der Segen kommt. Segen, das heißt: seine Begleitung in Urlaubstagen und im manchmal mühsamen Alltag.

Das irische Segenslied erinnert uns daran und spricht uns den Segen mit eingängiger Melodie zu. Im Refrain heißt es schließlich: „Und bis wir uns wieder sehen, halte Gott Dich fest in seiner Hand.“ Und danach auch - schöne Sommertage!




Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 12.05.2017 von Pfarrer Hanno Nell
 

Wie Zufriedenheit wachsen kann

 
Es ist bewundernswert, wenn man eine Menge aushalten kann. Das ist vielleicht eine Frage von Disziplin, aber nicht zuletzt auch ein Geschenk. Resilienz heißt das Zauberwort, wenn jemand psychisch so widerstandsfähig ist, Krisen gut zu bewältigen. Selbst wenn die Kindheit eher nicht so positiv war, kann eine wichtige Bezugsperson wie ein Lehrer oder eine Großmutter entscheidend dazu beitragen, dass ein Mensch resilient wird. Besonders, wenn durch biblische Geschichten und Gottvertrauen ein guter Grund gelegt wurde.

Wer das nicht erleben durfte, ist nicht verloren. Manches kann nachgeholt werden, wenn man später den christlichen Glauben (wieder) entdeckt. Hoffentlich so, dass so etwas wie ein Urvertrauen entsteht, eine Hoffnung, dass Gott aus Mist noch schöne Blumen wachsen lassen kann.

Diese Hoffnung kann sich nicht zuletzt entwickeln durch biblische Geschichten wie die von Josef, der von seinen Brüdern als Sklave nach Ägypten verkauft und dort zum Regierungschef wurde und dadurch seinen von einer Hungersnot bedrohten Brüdern helfen konnte. "Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen" (1.Mose 50,20).

Oder durch Mut machende Jesus-Worte oder Psalmen, Jahrtausende alte Gebete, in denen sich viele Erfahrungen widerspiegeln. Da kann man quasi nachbeten, wie einem aufgrund fieser Mitmenschen das Wasser im übertragenen Sinne "bis an die Kehle" geht (Psalm 69,2; Kehle bedeutet auch Seele) und wie sich das Klagen beim Beten allmählich in ein Loben Gottes und Zufriedenheit verwandelt. Dieses resilient machende Geschenk wünsche ich Ihnen!




Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 07.04.2017 von Pfarrer Hanno Nell
 

Auf Augenhöhe

 
Grautier mit vier Buchstaben? Bei dieser Kreuzworträtsel-Frage fällt die Antwort leicht. Des Rätsels Lösung war für Jesus an Palmsonntag auch die passende Antwort auf viele Fragen. Jesus ritt nicht hoch zu Ross nach Jerusalem ein wie vor knapp 120 Jahren der deutsche Kaiser Wilhelm II., wofür neben dem Jaffator extra eine Bresche in die Mauer geschlagen wurde, weil es für den prunkvollen Einzug eines Reiters zu klein und verwinkelt war. Wer schon einmal in Israel war, mag an den wegen einreitender Kreuzritter stark verkleinerten Eingang zur Geburtskirche in Bethlehem denken, wo man sich sich quasi verbeugen muss, um hineinzukommen.

Jesus blieb auf Augenhöhe mit den Menschen, die ihn bejubelten, als er auf einem Esel nach Jerusalem einzog. Ein Herrscher der Herzen, dem sie Hosianna (Hilf doch!) zuriefen. Er hat Erwartungen enttäuscht, etwa, dass er als König von Israel die römische Besatzungsmacht aus dem Land werfen würde. Aber schon Jahrhunderte früher hatte der Prophet Sacharja vorhergesagt: „Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel...“ (Sacharja 9,9).

Kaiser Wilhelm II. kann man manche Eselei und viel Schlimmeres vorwerfen. Er war in vielem das Gegenbild zum Friedenskönig Jesus. Jesus hat sich nicht mit Gewalt durchgesetzt, auch wenn wir uns manchmal wünschen, Gott müsste vom Himmel dreinschlagen. Nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen erfüllt Gott, hat Dietrich Bonhoeffer geschrieben. Jesus hat auf den Esel gesetzt. Setzen wir auf Jesus?




Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 03.03.2017 von Pfarrer Hanno Nell
 

Tolle Tage

 
Während der "tollen Tage" war ich dieses Jahr in Jerusalem und Umgebung, mit tollen Erlebnissen, aber ohne Berührung mit Karneval. Allerdings gab es Kostüme zu kaufen. Die einheimischen Christen sind wie auch sonst im Nahen Osten zum großen Teil ausgewandert, aber in zehn Tagen wird in Israel ähnlich wie Karneval das Purimfest gefeiert, wobei sich besonders die Kinder verkleiden.

Bei den meisten jüdischen Festen geht es um die Erinnerung an ein historisches Ereignis nach dem Motto “Man wollte uns töten. Gott hat eingegriffen. Lasst uns essen!” Beim Purimfest wird an den verhinderten Massenmord an den Juden im vor der Zeitenwende riesigen Perserreich gedacht, wobei die kluge Königin Esther die entscheidende Rolle spielte. Nach ihr ist das biblische Buch benannt, das auch davon berichtet, dass sie vor ihrer mutigen Tat gefastet hätte.

Viele Christen verzichten nun nach Karneval in der Passionszeit auf Fleisch, Süßigkeiten, Alkohol oder versuchen weniger Handy-Nachrichten zu schreiben. Es soll Zeit sein, daran zu denken, was es Gott gekostet hat, dass er eingegriffen hat, um den Tod zu besiegen.

Dass das Grab Jesu am Ostermorgen in Jerusalem leer war, weil Jesus von den Toten auferstanden ist, ist, glaube ich, das Tollste, was jemals passiert ist, und das schenkt jede Menge Hoffnung, dass auch unsere Lieben und wir auferstehen. Und dass es dann bei Gott ein himmlisches Fest gibt.




Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 27.01.2017 von Pfarrer Hanno Nell
 

Erscheinungen

 
„Der Pfarrer hatte eine Erscheinung“ geht es durchs Dorf. Mitten in der Predigt hatte er an die Kirchendecke geguckt und lange nichts gesagt. Aber mehr, als dass er eine Erscheinung hatte, wollte er nach dem Gottesdienst nicht preisgeben. „Nächsten Sonntag“, meinte er. Natürlich ist die Kirche eine Woche später rappelvoll. Alle sind gespannt. Schließlich offenbart sich der Pfarrer: „Ich hatte eine Alterserscheinung, ich wusste einfach nicht mehr weiter in der Predigt.“ Solche Erscheinungen hat man nicht nur im Alter schon mal, dass man steckenbleibt und nicht weiter weiß. Was ja durchaus sehr sympathisch und liebenswert sein kann.

Der Pfarrer und Buchautor Axel Kühner hat für mich eindrücklich den Bogen geschlagen von dem Witz mit der Alterserscheinung zur Erscheinung Gottes. Er schreibt von „Erscheinungen göttlicher Art, die uns weiterbringen, Neues zeigen und Wichtiges mitteilen. Die beste Erscheinung ist, dass Gott unter uns erschienen und sich uns bekannt gemacht hat.“ Darum geht es in diesen Tagen, wenn auch die Weihnachtsfeiern der orthodoxen und armenischen Christen vorbei sind, aber noch längere Zeit die Sonntage nach dem Erscheinungsfest gefeiert werden. Am Erscheinungsfest (Epiphanias) am 6.Januar ging es eigentlich nicht um die sogenannten Heiligen Drei Könige. Durch den Besuch der Weisen aus dem Morgenland, wie viele es auch immer gewesen sein mögen, ist Jesus nicht nur den Hirten aus der Nachbarschaft erschienen. Durch die Weisen ist er in gewisser Weise aller Welt erschienen.

An sich wird mit dem Erscheinungsfest aber daran gedacht, dass Jesus sich taufen ließ und damit vor einer größeren Öffentlichkeit erschien und sein Wirken begann. Zunächst wurde er wohl wie Johannes der Täufer oder die alttestamentlichen Propheten wahrgenommen. Als besonderer Mensch, der im Auftrag Gottes etwas Neues, Wichtiges zu sagen hat. Erst nach seiner Kreuzigung und Auferstehung haben viele begriffen, dass Jesus mehr war als ein Prophet: dass Gott in Christus war. Dass Gott uns erschienen ist im Kind in der Krippe, als Getaufter im Jordan und im Mann am Kreuz. Damit sich etwas verändert auf der Welt. Damit Menschen auf Gott hören und Ermutigung und Trost bekommen. Damit wir nicht stecken bleiben, sondern in Bewegung kommen. So wie die Sternsinger, die durch ihr Kreidezeichen die Menschen, die durch die gezeichneten Türen ein- und ausgehen, hoffentlich immer wieder an Gottes Erscheinen und bleibende Nähe in Jesus erinnern.




Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 09.12.2016 von Pfarrer Hanno Nell
 

Erwartungen im Advent

 
Bei Advent denken wir an strahlende Kinderaugen, denen man die Freude auf das Kommende ansieht. Wir haben aber irgendwann erfahren, dass das Christkind keineswegs alle Jahre wiederkommt und auch kein Mädchen mit goldenem Haar ist. Sondern dass die Sache viel besser ist (das mit den Geschenken klappt ja auch so). Advent bedeutet, dass der, der damals als Kind in der Krippe zu uns gekommen ist, wiederkommen wird. Am lieben Jüngsten Tag, wie Martin Luther ihn genannt hat. Weil der für uns Gekreuzigte und Auferstandene an diesem Tag aller Ungerechtigkeit und Unterdrückung und allem Unfrieden ein Ende machen wird.

Schon die Propheten im Alten Testament haben u.a. einen Friedefürst angekündigt. Mit der Geburt von Jesus sind manche dieser Prophezeiungen in Erfüllung gegangen, viele wurden im Laufe seines Lebens, Sterbens und Auferstehens sozusagen übererfüllt, auf manche können wir uns noch freuen. Es ist noch nicht „wie im Himmel, so auf Erden“. Der Advent, zu deutsch Ankunft, steht noch aus. Im Adventsgottesdienst für kleine Leute haben wir gesungen: „Tragt in die Welt nun ein Licht, sagt allen: Fürchtet euch nicht!“

Das können wir wohl gebrauchen in diesen Tagen, wenn es Terrorsorgen u.a. auf Weihnachtsmärkten gibt. In den meisten evangelischen Kirchen wird in der Adventszeit über einen in diesem Zusammenhang besonders spannenden Text aus dem Prophetenbuch Jeremia (23,5-9) gepredigt. Den Israeliten wird ein gerechter König verheißen, und zu seiner Zeit soll Israel sicher wohnen. Das „sicher wohnen“ wäre mir vor einigen Jahren sicher noch nicht aufgefallen. Möge uns Gott - auch durch diesen Bibeltext - Trost und Hoffnung geben. Eine gesegnete Adventszeit noch!




Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 04.11.2016 von Pfarrer Hanno Nell
 

Sudoku und Worte gegen das Verstummen

 
Manchmal fehlen einem die Worte. Kurz vor der Beerdigung einer Kindergartenmutter wollte der Bestatter noch etwas von mir wissen, aber mir blieb buchstäblich die Stimme weg. Einige Momente später konnte ich wieder Trost spenden, aber es gibt Situationen, in denen man entweder stumm wird oder vielleicht zu schreien anfängt. Wenn es durch Hass und Hetze dunkler wird in unserem Land, dann fällt einem manchmal nichts mehr ein.

Wenn wir nicht mehr wissen, wie es weiter gehen soll, muss das keine dramatische Situation sein. Orientierung tut in vielen Lebenssituationen gut. Da kann es einem vorkommen wie bei einem schwierigen Sudoku. Bei diesen Zahlenrätseln tüftelt man alle Möglichkeiten aus und kommt irgendwann nur weiter, indem man auf gut Glück an einer Erfolg versprechenden Stelle mit Bleistift eine Zahl versucht. Wenn es die richtige ist, gibt es quasi einen Domino-Effekt: alle Schwierigkeiten fallen ganz schnell um, und man ist in vielleicht drei Minuten fertig. Meistens rät man aber nicht gleich die richtige Zahl, und dann muss man viel ausradieren. Einfacher wäre es, wenn man die richtige Zahl geschenkt bekommt, mit der sich alle Probleme schnell lösen.

Ein hilfreiches Wort für den Lebensweg haben hoffentlich die Menschen bekommen, die am letzten Sonntag Gold-, Diamant- und Eiserne Konfirmation in unserer Gemeinde gefeiert haben. Ein Geschenk von ganz oben, ein Wort für unseren Lebensweg soll der (Jubiläums-)Konfirmationsspruch aus der Bibel sein, der uns in verschiedenen Lebenssituationen Orientierung geben kann. Zum Beispiel der der Diamantenen Konfirmandinnen und Konfirmanden: Christus spricht: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben" (Johannes 8,12). Oder, was man manchmal noch mehr braucht, Trost.




Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 30.09.2016 von Pfarrer Hanno Nell
 

Danken tut gut

 
„Im Danken kommt Neues ins Leben hinein“, singen viele gern in dem Lied „Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn, er hat dir viel Gutes getan“. Danken stärkt Beziehungen und befreit von dem Gedanken, dass wir selber alles hinkriegen müssen. Danken hat mit Denken zu tun und ist auch schlau, denn es tut nicht zuletzt denen gut, die den Dank aussprechen. Auch dadurch, dass man sich dabei noch einmal an das Schöne erinnert und es vergegenwärtigt. Vielleicht feiert man es sogar zusammen.

Am Sonntag wird in vielen Kirchengemeinden Erntedank gefeiert (in den Weinanbaugebieten meist erst nach Abschluss der Weinlese). Äpfel und Ähren liegen dann auf oder neben dem Abendmahlstisch, Kürbisse und Kartoffeln. Auch als Symbole für vieles andere, wofür wir dankbar sein können.

An früher im Sommer geerntete, leckere Johannis- und Stachelbeeren denke ich oder daran, dass ich mich mit meinen kleineren Kindern bei herrlichem Sonnenschein an den vielen faszinierenden Tieren im Wuppertaler Zoo freuen konnte. Zum Beispiel an den Löwen in ihrem riesigen Areal, und dass ich als kleines Kind am alten Großkatzenhaus nicht gefressen wurde, als dort ein paar Meter entfernt von mir der Löwe Cäsar ausbrach und erfolgreich mit einer Betäubungsspritze beschossen wurde.

Für Tiere wird auch gedankt, wenn bei uns im Erntedankgottesdienst die Vorschulkinder unseres Kindergartens „Du hast uns deine Welt geschenkt“ singen. In der DDR wurde „Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein“ plakatiert. Hoffentlich fällt Ihnen viel ein, wofür Sie Gott danken können!




Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 26.08.2016 von Pfarrer Hanno Nell
 

Was ist unsere Krisenration?

 
Rudi Carrells „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ noch im Ohr wundern wir uns, dass es doch noch mal länger heiß geworden ist und können dazu bald Spekulatius essen. Die kommen ja seit einigen Jahren kurz nach den Sommerferien in die Supermärkte. Müssen wir aber nicht - weder kaufen noch essen. Alles hat seine Zeit. Advent ist im Dezember.

Carrell sang: „Und was wir da für Hitzewellen hatten: Pullover-Fabrikanten gingen ein. Da gab es bis zu vierzig Grad im Schatten, wir mussten mit dem Wasser sparsam sein.“ Statt Spekulatius sollen wir ja nun Wasser bunkern. Außer einer bestimmten Menge Kartoffeln, Brot und Nudeln empfiehlt das neue Zivilschutzkonzept u.a. Schokolade „nach Belieben“. Da freut sich unser Weltladen, besonders, wenn die Vorräte für den Katastrophenfall immer wieder aufgefrischt werden. Nervennahrung ist ja auch im Alltag immer wieder hilfreich. Wir sprechen da schnell von Katastrophen, die natürlich nicht im Geringsten an die Auswirkungen des Erdbebens in Mittelitalien heranreichen.

Was ist unsere Krisenration? In meiner Jacke, die ich bestimmt bald wieder brauche, ist in der einen Tasche oft eine kleine Portion Süßes. In der anderen wartet zusätzlich zu den Bibeln auf meinem Smartphone eine Taschenbibel darauf, aufgeschlagen zu werden. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht, sagt Jesus. Hoffentlich werden Bibelworte immer wieder zu Worten Gottes für uns in bestimmten Situationen, die uns Kraft und Mut und Hoffnung geben! Oder auch Geschichten wie die von der Sturmstillung durch Jesus. Oder Wüstengeschichten der Bibel schenken uns Durchhaltevermögen bei großer Hitze.




Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 22.07.2016 von Pfarrer Hanno Nell
 

Wie schwitzt Du?

 
„Wie schwitzt Du?“ grüßt man sich im hitzegeplagten Ägypten - konkreter und mitfühlender als unser oft nicht wirklich ernst gemeintes „Wie geht’s?“. Ein gemeinsamer Feind ist aber auch das Einfachste, was Menschen zusammenschweißt. Etwa, wenn wir in einem halben Jahr gegen Schneemassen ankämpfen. Da kommt man wunderbar ins Gespräch.

Beeindruckend finde ich es, wie Menschen Naturgewalten trotzen. Und das nicht nur zur Winterszeit.

Dafür braucht man auch Hoffnung, so wie die Israeliten hofften, dass Gott sie aus dem Glutofen Ägyptens befreien und herausführen würde in ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Wenn eines Tages bei den Nachbarländern Israels das Erdöl versiegt ist, wird man nicht mehr mit den Worten der früheren israelischen Premierministerin Golda Meir witzeln „Warum hat Mose uns zu dem einzigen Punkt im Mittleren Osten geführt, der kein Ölvorkommen hat?“. Dann wird man sich freuen an dem, was man hat. Nicht zuletzt auch daran, dass Gott Lebensenergie schenkt und Hoffnung gepflanzt hat, was das Leben erträglicher macht.

Besser als ein gemeinsamer Feind ist Hoffnung - und ein Grund dieser Hoffnung. Beim Propheten Jeremia (17,7+8) heißt es: „Segen soll über alle kommen, die allein auf mich, den HERRN, ihr Vertrauen setzen! Sie sind wie Bäume, die am Wasser stehen und ihre Wurzeln zum Bach hin ausstrecken. Sie fürchten nicht die glühende Hitze; ihr Laub bleibt grün und frisch. Selbst wenn der Regen ausbleibt, leiden sie keine Not. Nie hören sie auf, Frucht zu tragen.“

Erfrischende Sommertage mit wenig Schweiß und viel Gottvertrauen und Zuversicht wünsche ich Ihnen!




Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 13.05.2016 von Pfarrer Hanno Nell (wegen der Tarifauseinandersetzungen im Druckgewerbe nicht abgedruckt)
 

Freitag, der Dreizehnte

 
Ausgerechnet heute habe ich ein Traugespräch. Als ich am Telefon als Termin „Freitag, den Dreizehnten“ vorschlug, sagte der Bräutigam: Wir sind nicht abergläubisch. In christlichen Hotels gibt es die Zimmernummer 13, in vielen anderen nicht. Diverse Fluglinien haben keine Sitzplatzreihe 13, und in Aufzügen amerikanischer Hochhäuser vermisst man oft das 13. Stockwerk. An solchen Freitagen gibt es Statistiken zufolge weniger Verkehrsunfälle, vielleicht weil einige Leute besser aufpassen als sonst oder aus Furcht gleich im Bett bleiben. Krankmeldungen sind jedenfalls um ein Vielfaches höher.

Freitage sind besondere Tage. Der Spruch „Thank God it's friday“ (TGIF) - „Danke Gott, es ist Freitag“, hängt vermutlich mit der Vorfreude auf's Wochenende zusammen. In England heißt der Karfreitag „good friday“, möglicherweise im Sinne von Heiliger Freitag. Der Name des Kreuzigungstages Jesu könnte auch von „God's friday“ stammen, Gottes Freitag. Der Tag, an dem Gottes Liebe in die tiefste Tiefe ging, so dass wir uns Gottes Nähe immer gewiss sein können und Orientierung finden.

Früher galt „im protestantischen Norden Deutschlands der Freitag als Glückstag und besonders guter Termin zum Heiraten (auch 'Freien' genannt)“, weiß ein Internet-Lexikon. „Mein“ heutiges Brautpaar will übrigens auch an einem Freitag heiraten, wahrscheinlich aber kaum, weil Leute früher dachten, dass das Glück bringe. Ich freue mich, wenn Menschen Orientierung an der Liebe Gottes suchen und finden anstelle sich vom Aberglauben bestimmen zu lassen.

Wo der Geist des Herrn wirkt, da herrscht Freiheit, heißt es in der Bibel (2.Korinther 3,17). Möge uns der dreieinige Gott spätestens an Pfingsten durchpusten und von Ängsten, die uns immer wieder beherrschen, befreien.




Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 08.04.2016 von Pfarrer Jan Fragner
 

„Gesundheit!“

 
So antwortete man früher, wenn in der Umgebung ein Mitmensch geniest hat. Heutzutage schweigt man, anstandshalber. Im Gegenzug hat sich der Niesende zu entschuldigen. So weit zu den aktuellen Benimmregeln.
 
Gesundheit ist ein hohes Gut, fast schon ein Ideal. Der meist genannte Wunsch in Geburtstagsgrüßen ist „Gesundheit“ für das neue Lebensjahr. Kein Ratgeber hat so viel zu tun wie der Gesundheitsratgeber.
 
Angesichts dieser Tatsache ist es jedoch erschreckend zu merken, wie in unserer Gesellschaft mit Kranken und mit Kranksein umgegangen wird. Da möchte keiner mit zu tun haben. Wehe, du wirst krank! Das Hochhalten dieses Ideals Gesundheit ist fast schon wie ein Schlag ins Gesicht jedes ernster erkrankten Menschen.
 
Wir alle werden mal krank, mal leichter, mal schwerer. Irgendwann müssen wir alle sogar sterben, früher oder später. Wir sind nun mal vergänglich, unser Leben endlich. Klug, wer das immer mal wieder bedenkt und in sein Leben integriert. Glücklich, wer darüber hinaus den Glauben an die Auferstehung hat.
 
Letztlich ist jeder Mensch ersetzbar, in seiner Funktion! Das sage ich, der ich die Vertretung für einen längerfristig erkrankten Kollegen übernommen habe. Aber niemals ist ein Mensch ersetzbar in seiner Person! Jeder Mensch hat eine Würde, und die geht auch dann nicht verloren, wenn ich krank werde. Die Würde des Menschen ist unantastbar, heißt es in unserem Grundgesetz. Aber handeln wir in unserer Gesellschaft wirklich immer danach?
 
Werden Sie gesund!




Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 04.03.2016 von Pfarrer Hanno Nell:
 

Den Akku aufladen

 
Ab und zu muss man seinen Akku aufladen, sagt man. Woanders ist das klar. Die für den Kreis Mettmann unerwartet erfolgreiche Blitzer-Anlage an der Baustelle auf der A3 muss etwa einmal pro Woche abgezogen werden, damit buchstäblich der Akku aufgeladen werden kann. Sonst würde das Gerät schlapp machen und nicht mehr unbarmherzig Geschwindigkeitsüberschreitungen messen können.
 
In den sieben Wochen vor Ostern nehmen sich viele Menschen Verzicht vor – keine Handy-Kurznachrichten schreiben oder fernsehen, klassischerweise Alkohol, Fleisch oder Süßigkeiten. Um aus dem Trott herauszukommen, der zu viel für uns ist, oder auch deshalb, weil Jesus seine Liebe und Barmherzigkeit zu uns, die in seiner bitteren Passion gipfelte, viel Verzicht gekostet hat.
 
Ich lese gerade abschnittsweise in einem „Fastenkalender für alle, die genug haben von Alltagsstress, Leistungsdruck und Perfektionswahn“. Hängen geblieben ist bei mir u.a. der Gedanke von einer genialen Maschine mit der Gebrauchsanweisung, dass sie nach sechs Tagen einen Tag zur Abkühlung brauche, damit sie nicht durchbrenne. Wenn die Maschine für uns wertvoll und vielleicht sogar unersetzbar wäre, würden wir uns an die Gebrauchsanweisung halten, oder?
 
Hoffentlich sind wir uns das auch wert und es tut uns das Gebot des Ruhetages aus der Bibel gut. Am besten sonntags, wenn man nach alter kirchlicher Lehre auch in der Fastenzeit z.B. Schokolade essen kann (sonst käme man von Aschermittwoch bis Ostern auch auf mehr als die berühmten vierzig Tage). Weil die sonntägliche Feier der Auferstehung Jesu wichtiger ist als das Fasten. Mit dieser Barmherzigkeit können wir unsere Akkus noch besser aufladen!
 
 
 

Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 24.12.2015 (ungekürzte Version) von Pfarrer Hanno Nell:

Möge die Macht Gottes mit uns sein

Sie war ohne einen Mann auf unerklärliche Weise schwanger geworden und sagte später zu ihrem Sohn: "Du hast denen Hoffnung gegeben, die keine mehr hatten." Das Wunderkind Anakin in den Star-Wars-Filmen wurde tragischerweise zum bösen Darth Vader. Eine für den Spannungsbogen nachvollziehbare Entscheidung der Drehbuchautoren. Es muss ja nicht das letzte Wort sein. Jesus gibt uns auch nie auf.

Die letzten Worte Jesu im Matthäus-Evangelium drehen sich einerseits darum, dass ihm alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist und dass seine Jünger alle Völker (bis hinter Australien sozusagen) ebenfalls zu Nachfolgern Jesu machen sollen, indem sie sie taufen und das nahebringen, was Jesus sie gelehrt hat. Das ist nicht nur für das Zusammenleben der Menschheit, sondern auch für das Verstehen von Weltliteratur und Kinofilmen sehr hilfreich. Andererseits verspricht Jesus, (unsichtbar) bei ihnen zu bleiben „alle Tage, bis an der Welt Ende“.

Ein nachgemachtes Star-Wars-Filmplakat wirbt aktuell mit Maria auf einem von Josef geführten Esel und einem Stern im Hintergrund für die Heiligabend- und Weihnachtsgottesdienste einer Kirchengemeinde auf Tasmanien: „Star Peace. A new hope awakens. A long time ago, in a Galilee far, far away.“ (Friedens-Stern. Eine neue Hoffnung erwacht. Vor langer, langer Zeit in Galiläa weit, weit weg.)

Viele Filme spielen mit religiösen Motiven, nicht zuletzt mit der Erlöserfigur, für die auf dem nachgemachten Filmplakat auch die drei Kreuze von Golgatha stehen. Im aktuellen Heidi-Film hat die Drehbuchautorin allerdings gegenüber der populären Buchvorlage herausgestrichen, dass Heidi zu Gott findet. Im Film findet sie zu sich selbst. „Damit könnten Kinder heute mehr anfangen“, meint sie. Das sehen viele Kinder bestimmt anders, die bald wieder mit leuchtenden Augen von der Geburt Jesu hören oder in Krippenspielen davon weitererzählen. Möge die Macht Gottes mit uns sein, die damals in der Heiligen Nacht zu uns gekommen ist.




Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 20.11.2015 (um zwei Sätze erweitert) von Pfarrer Hanno Nell:

Dunkel und Licht nach den Anschlägen

Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Die Redensart aus der Bibel (Hosea 8,7) kam mir angesichts des islamistischen Terrors in der Stadt der Liebe in den Sinn. Natürlich haben die westlichen Staaten mehr als Wind gesät, als sie die Menschen in den Kolonien gelinde gesagt schlecht behandelten und dann auch die Menschen aus den Kolonien in den Vororten von Paris etwa. Als in den 1950er Jahren aus britischen und US-amerikanischen Öl-Interessen die erste demokratisch gewählte Regierung im Iran gestürzt oder später der Irak zweimal mit Krieg überzogen wurde.

Islamisten wurden mächtig und stürmten nun Cafés, Restaurants und einen Konzertsaal. Manuel Neuer und Jogi Löw haben überlebt, Opfer wurden nicht zuletzt Rollstuhlfahrer und flüchtende Mädchen, die Kugeln in den Rücken bekamen. So unglaublich wie die Christenverfolgung im Nahen Osten. So unglaublich wie das Verbrennen von Kirchen voller Frauen und Kinder durch deutsche Wehrmachtssoldaten im Zweiten Weltkrieg in Osteuropa.

Dietrich Bonhoeffer dichtete damals in „Von guten Mächten“: „Noch will das Alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsren aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast… Laß warm und hell die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht, führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.“
Gott ist in Jesus zu uns gekommen als das Licht der Welt. Der Tod wird keine Macht haben über die Botschaft von Weihnachten. Mögen uns die Kerzen am Ewigkeitssonntag und in der kommenden Adventszeit Hoffnung schenken und nach jedem Sturm wieder angezündet werden. Möge Sigmar Gabriel Recht behalten mit seinen Worten: „Stärker als alles andere sind am Ende Freiheit, Menschenwürde und Nächstenliebe.“

Es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind, sagt ein anderer Prophet in der Bibel (Jesaja 8,23), so wie auch der Trauer tragende Eiffelturm bald in neuem Glanz erstrahlte.




Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 16.10.2015 von unserer Jugendleiterin und Prädikantin Wiebke Nauber:

Redet Gott?

In der Kinderbibelwoche unserer diesjährigen Kinderfreizeit fanden drei Schüler (gespielt von ehrenamtlichen Jugendlichen) ein altes Buch auf dem Schulhof. „Das Buch von Gott“ stand darauf. Es machte sie neugierig, und während sie sich unterhielten spuckte das Buch ann allen 7 Tagen immer einen zur Situation und zum Gesprächsthema passenden Bibelvers aus, der ihnen dann in ihrem Denken und Handeln weiterhalf.

Die Kinder bemerkten natürlich schnell, dass das hölzerne Buch auf seiner Rückseite ein Loch hatte, durch das ein unter den Tischen versteckter Mitarbeitender, den Buchdeckel öffnend, die Verse herauswarf. „Das ist Illusion“ stellte ein Neunjähriger fest.

Ja, das war es wohl, aber wie oft wünschen wir uns das, dass Gott so passend, so direkt, so eindeutig etwas sagt. Etwas, das uns dann im Alltag hilft, das uns glauben, hoffen und handeln lässt.

„Gott schweigt“ oder „Wenn es einen Gott gäbe, würde er doch was dazu sagen oder was tun.“ So denken wohl viele, und manchmal überfällt auch mich dieses Gefühl. Aber: Gott redet! Wir müssen uns nur im Hören üben. Gott redet bis heute durch die alten Worte und Geschichten der Bibel. In immer wieder neuen Situationen wurden und werden sie immer wieder aktuell. Man höre nur die Mahnung: „Ungerechtigkeit wirkt zerstörerisch“. Wie oft kam mir in letzter Zeit während der Nachrichten diese alte prophetische Botschaft in den Sinn. Und wie oft fielen mir dann auch die Trostworte der Propheten ein: Es gibt Zukunft, weil Gott sie schenkt. Die Zeit derer, die sich für so mächtig halten, ist begrenzt. Gottes Zeit nicht.“1000 Jahre sind vor dir wie ein Tag“, dieser Vers lies mich neulich erkennen, wie winzig klein der Ausschnitt der Weltgeschichte ist, den wir gerade erleben, zumal aus der Perspektive Gottes! Das relativiert manches.

Oder etwas kleiner: Wie oft ist mir schon in einem Streit der Bibelvers eingefallen: „Lass die Sonne nicht über deinem Zorn untergehen.“ Ich glaube, dass diese Einfälle und Gedanken von Gott kommen. Es ist sicherlich nicht seine einzige Möglichkeit zu reden, aber doch eine, die er sehr regelmäßig nutzt. Sie ist besonders unabhängig von unserem eigenen Denken, besonders dann, wenn ich den Vers, der mir da gerade in den Sinn kommt, gar nicht will, wenn er mich aus meinem Handlungs- und Denkmuster herausholt, mich ausbremst, mir widerspricht, mich herausfordert oder unerwartet tröstet.

Allerdings ist dieses Hören Übungssache. Aber in allen Kirchengemeinden gibt es dazu Hilfestellungen und Anregungen: Die Predigten im Sonntagsgottesdienst, Bibelgesprächs- oder Hauskreise. Oder die persönlichen Möglichkeiten, zum Beispiel das Lesen der Tageslosung oder das Nutzen einer Bibellese, die einen für den Tag ausgewählten Bibeltext für heute öffnet. Probieren Sie's mal aus, denn:
Gott redet!




Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 11.09.2015 von Pfarrer Hanno Nell:

Zukunft und Hoffnung

Was vor genau vierzehn Jahren passiert ist, beherrscht heute Abend wahrscheinlich nicht die Fernsehnachrichten. Heute ist der erste 11. September, seit das One World Trade Center fertig und die Wunde im Stadtbild von New York mehr oder weniger geschlossen ist. Die Welt hat sich weiter gedreht, auch wenn für einige die Zeit fast stehen blieb. Marcy Borders, die früher in der Suppenküche ihrer Kirchengemeinde Obdachlosen geholfen hatte, brauchte in den Jahren nach „Nine Eleven“ selber Hilfe, bekam sie aber kaum. Kürzlich ist sie, die „Staubfrau von 9/11“, an Krebs gestorben.

Was nun seit Wochen und wohl auch heute Abend die Nachrichten beherrscht, hängt mit der Bekämpfung des Terrorismus seit 2001 und besonders mit dem Irak- und dem Afghanistan-Krieg zusammen. Gut, wenn heute nicht nur über die wenigen Tausend Opfer von vor vierzehn Jahren gesprochen wird und mehr über die Millionen Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, darunter nicht zuletzt Opfer schrecklicher Christenverfolgung aus dem Irak und aus Syrien.

Viele Menschen beispielsweise in Frankreich sind fassungslos angesichts der Nachrichten aus Deutschland, wenn Flüchtlinge an Bahnhöfen spontan von ehrenamtlichen Helfern willkommen geheißen und versorgt werden. Bald haben wir fast überall in Deutschland die Chance, mitzuhelfen, dass Wunden geschlossen werden und Menschen Zukunft und Hoffnung bekommen, so wie es Gott durch den Propheten Jeremia (29,11) für die nach Babylonien verschleppten Israeliten versprochen hat. Möge das in der biblischen Botschaft zentrale Gebot, Fremdlingen zu helfen, zu einer besseren Einen Welt beitragen.



Auch als Geschenk geeignet: Quadratmeter-Urkunden der Spendenaktion für den Innenanstrich unserer Kirche




Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 07.08.2015 von Pfarrer Hanno Nell:

Und das nicht nur zur Sommerszeit

Die Sommerferien in NRW neigen sich dem Ende zu, viele haben in der Fremde hoffentlich bereichernde Erlebnisse gehabt. Gastfreundschaft zum Beispiel. Bevor der Alltag wieder losgeht, ist es gut, sich zu vergewissern, was uns trägt - und was nicht untergehen soll im Alltagsstress.

Über das, was besonders wichtig ist, wird am Sonntag in den meisten evangelischen Kirchen gepredigt (Markusevangelium 12,28-34). Auf die Frage, was das höchste Gebot sei, antwortete Jesus mit zwei Geboten aus der damaligen Bibel, unserem Alten Testament: Das höchste Gebot ist das: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, unsern Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften.“ Das andere ist dies: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Es ist kein anderes Gebot größer als diese.

Gottesliebe und Nächstenliebe fasst Jesus in diesem Doppelgebot der Liebe zusammen. Nächstenliebe ist etwas typisch Christliches, denken viele. Ist es ja hoffentlich auch. Das Gebot der Nächstenliebe, das Jesus zitiert, stammt aber wie vieles anderes, was unser sogenanntes Abendland zum christlichen Abendland macht, aus dem (im Morgenland entstandenen) Judentum. Daran soll wie jedes Jahr am Israelsonntag besonders erinnert werden, der jetzt am Sonntag gefeiert wird.

Gottes Liebe zu uns, die wir als Nicht-Juden durch Jesus ebenfalls zu ihm gehören dürfen, und unsere Antwort darauf, Gottesliebe und Nächstenliebe, mögen auch die Zeit nach den Ferien zu einer guten Zeit werden lassen. Und das nicht nur zur Sommerszeit.




Auf ein Wort in der Rheinischen Post vom 13.03.2015 (ungekürzte Fassung) von Pfarrer Hanno Nell:

Strahlende Kindergesichter

Wenn Menschen kurz vor der Rente sich freuen, beim Einkaufen von „Tante Ursula“ mit „Ach, da ist ja mein Kindergartenkind“ begrüßt zu werden, dann ist klar: Es war nachhaltig schön, in Gruiten im Evangelischen Kindergarten zu sein, der heute von frühmorgens bis nachmittags mit einem Tag der Offenen Tür sein 25jähriges Jubiläum im Dorf feiert und seit bald 70 Jahren besteht.

Seit einem Vierteljahrhundert pulsiert neues Leben, wo vorher die Ruine der Edelhoff'schen Fabrik stand. Wo früher in der Weberei hart gearbeitet wurde, dürfen Kinder heute Kinder sein. Beim Spielen lernen sie Wichtigeres als bei einem Chinesisch-Kurs. Beim Kindergarten-Gottesdienst jeden Freitag in unserer Kirche im Dorf ist es faszinierend, wie gut die Kinder zuhören können. Ihre Lehrerinnen und Lehrer freuen sich später darüber.

Hoffentlich bekommen sie auch noch viel mehr mit für's Leben. Dass sie etwas für ihr Leben mitnehmen von Gott, der als Kind in der Krippe erschien. Damit wir wissen, dass wir Freude, Hoffnung, Trost und Orientierung bei Jesus finden, der ein Kind als Vorbild in die Mitte gestellt hat, als seine Jünger fragten, wer der Größte im Himmelreich sei. Im Matthäus-Evangelium (18,2) sagt Jesus dazu: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.

Wie schön, wenn Kinder nicht berechnend sind, um etwas zu bekommen (es muss ja nicht gleich das Himmelreich sein), sondern sich einfach beschenken lassen und statt Konkurrenzkampf lernen, sich ganz selbstverständlich gegenseitig zu helfen und helfen zu lassen. Von solchen strahlenden Kindergesichtern können wir jede Menge lernen.